“Sie hatte immer zu schreiben”

Bettine von Arnim

Bettine von Arnims Selbstsorge mit Feder, Tinte und Papier

“Sie hatte immer zu schreiben”, charakterisiert Herman Grimm Bettina von Arnim in seinem Rückblick auf die Schwiegermutter aus dem Jahr 1880:
“Jeder Buchstabe ihrer Handschrift war deutlich, ausgeschrieben und energisch. Sie schrieb unaufhörlich wieder ab, was ihr nicht gefiel”(1), so entstand auf Hunderten von Seiten in Form von Briefen, Büchern, Artikeln, Märchen, Pamphleten, Recherchen und anderen Dokumenten ein umfassendes schriftliches Werk. Unermüdlich begleitet Bettine von Arnim ihr Leben mit dem Schreiben. Bewusst wie unbewusst erkundet sie dabei die Möglichkeiten und Grenzen der Identitätsentwicklung mit der Textproduktion.

Szenisches Verstehen unbewusster Lebensentwürfe im Versteck der Kunst lässt - im Sinne des politischen Vermächtnisses von Bettine und Achim von Arnim - die Idee der SelbstSorge nicht nur in ihrer historischen Bedeutung neu begreifen, sondern lenkt den Blick auch auf die Aktualität der (Wieder)Entdeckung des (Vor)Lesens und Schreibens als (Über)Lebensmittel zur Gestaltung von Identität und Lebensqualität. (2)

(1) Herman Grimm: Bettina von Arnim. In: Goethe-Jahrbuch 1 (1880), S. 1-16, hier: S. 11.

(2) Auszug aus dem Sonderdruck: "Sie hatte immer zu schreiben" - Bettine von Arnims Selbstsorge mit Feder, Tinte und Papier von Dr. phil. Dipl.-Psych. Angela Thamm - Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft
Forum für die Erforschung von Romantik und Vormärz
, Band 18 - 2006, Herausgegeben von Wolfgang Bunzel und Uwe Lemm, Saint Albin Verlag