Projekttagebuch Märchenwelten Kreativ

Anlässlich des 200 Geburtstages der Märchensammlung der Gebrüder Grimm hat das Goethe-Institut Moskau eine Wander-Ausstellung konzipiert.
Sie reist mit dem Schatz der Gebrüder Grimm durch die ganze Welt. Im Auftrage des Goethe-Institut Moskau initiieren wir parallel zur Ausstellung und zu den Märchen-Filmvorführungen das Projekt Märchenwelten Kreativ.

Papiertheater an der PASCH-Schule 112 in Taschkent

von Angela Thamm

Parallel zur Ausstellung »Märchenwelten«, welche das Goethe-Institut zum 200. Geburtstag der gesammelten »Kinder- und Hausmärchen« der Gebrüder Grimm gestaltete und nun durch die Welt reisen und auch in Usbekistan Halt machen lässt, durften 20 Kinder der PASCH-Schule 112 in Taschkent eineinhalb Tage lang eigenen Fantasien freien Lauf lassen, alte und neue Märchenfiguren erfinden und in modernen Märchenszenen miteinander spielen lassen. Im Kreisgespräch ging es zunächst um das Sammeln von Ideen in Resonanz auf das Märchen »Der goldene Schlüssel«: Was mochte in dem geheimnisvollen Kästen, welches der arme Junge im Schnee findet, verborgen sein? 

Dann wurde das erste Märchen der Sammlung der Gebrüder Grimm »Der Froschkönig« szenisch erzählt und in Bewegung gebracht: Vier Frösche, vier Prinzessinnen, vier Könige und vier Prinzen fühlen sich ein in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten und probierten Sätze aus: Deutsch lernen im spontanen Stegreifspiel! Der nächste Schritt erfolgte in kleinen Gruppen rund um ein großes DinA 1 Blatt Papier: Welche Requisiten könnten gebraucht werden, welche alten und neuen Märchenfiguren und welche sonstigen Ideen würden sich entfalten? Mit Farben und Formen wurde mit Freude gezeichnet, gemalt, ausgeschnitten und geklebt – und schon waren die unterschiedlichsten Papiergestalten geschaffen und warteten auf ihren ersten Auftritt.

»Ich bin Jack der Pirat«

»Ich bin Jack, der Pirat«, »Ich bin Schumacher, der Rennfahrer« oder »Ich bin Rapunzel « durften im nächsten Arbeitsschritt die Schüler ihre Papierpuppen an kleinen Stäben selbst vorstellen. Danach ging es in kleinen Gruppen zum Entwurf von kurzen Szenen mit einfachen Sätzen der Figuren, Figuren, die zunächst in einem kurzen Drehbuch aufgeschrieben und dann laut eingeübt wurden. Mit einfachen Mitteln entstand eine kleine Puppenbühne, ein Probespiel und der gemeinsame Entwurf von Titeln wie: »Wettkampf um eine Prinzessin«, »Der tapfere Frosch« und »Der hungrige Wolf«. Eine Nacht noch durften die Papierfiguren und ihre Spieler ausruhen und sich noch ein bisschen einträumen. Hausaufgabe: Übt Eure Sätze und tragt sie vielleicht auch zu Hause in Euren Familien vor! Dann ging es am nächsten Morgen früh an die Gestaltung der Theaterplakate, auf denen die erarbeiteten Szenen nochmals »ins Bild gesetzt wurden«.

Für Aufregung vor der Aufführung blieb keine Zeit, denn unversehens schon hatte sich ein Publikum junger Schüler versammelt, die aufmerksam die letzten Vorbereitungen verfolgten und neugierig erfahren wollten, was sie im Deutschunterricht, wenn sie denn Deutsch wählen würden, so alles zu erwarten und erlernen hätten. Und da die Schule 112 in Taschkent gerade am Tag der Uraufführung unseres kleinen Papiertheaters ihren 100. Geburtstag feierte, erhielt unsere Workshoparbeit ganz unverhofft ein dickes Lob von höchster ministerieller Stelle! Viele fröhliche Fotos wurden geknipst. Unser Papiertheater hat viel Spaß gemacht und war ein voller Erfolg! Unsere Figuren werden als Unterrichtsmaterialen weiterverwandt und freuen sich auf neue Abenteuer in kreativen modernen Märchenszenen.

Froschkönig, Rumpelstilzchen und Aschenputtel – brauchen wir sie heute noch?

So lautete der Titel unseres Workshops. – Unser Fazit: JAAAAA, wir brauchen sie, und das sogar ganz unbedingt. In dem vor vielen Jahren preisgekrönten Jugendbuch »Mein Urgroßvater und ich« von James Krüss heißt es an einer Stelle: »Wörter sind wie Kleider, mit denen man die Welt anzieht«.

Die Märchen und ihre zauberhaften Szenen scheinen dabei eine riesige Theatergarderobe, mit der wir unsere eigene Welt immer wieder neu erlebbar, sichtbar und erfahrbar machen können. Kreatives Spielen mit Sprache, insbesondere in Resonanz auf märchenhafte Geschichten, fördert Identität, Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit: Sprache lernt sich federleicht mit Hilfe der Zauberkraft der Märchen »abrakadabra abakadabra«

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