Angela Thamm

Sprach Spiel (t)Räume

Zur Wiederentdeckung des Schreibens in therapeutischen Prozessen

Schreiben heißt: sich selber lesen.
Max Frisch

In einem Kreise von Männern, denen es als ausgemacht gilt, dass die wesentlichsten Rätsel des Traumes durch die Bemühung des Verfassers gelöst worden sind, erwachte eines Tages die Neugierde, sich um jene Träume zu kümmern, die überhaupt niemals geträumt worden, die von Dichtern geschaffen und erfundenen Personen im Zusammenhang einer Erzählung beigelegt werden.

Mit diesen Sätzen beginnt einer der wesentlichsten Artikel des Psychoanalytikers Siegmund Freud auf Spurensuche nach den Geheimnissen seelischer Heilung. In einer Novelle des Autors Wilhelm Jensen war der Arzt auf ein unerwartet kluges dichterisches Wissen gestoßen, welches den eigenen medizinischen Ansichten er staunlich ähnlich zu sein schien. Der 1903 im Buchhandel erschienene Text hatte die 1902 auf Anregung von Wilhelm Stekel gegründete Psychologische Mittwoch-Gesellschaft in Wien gleichzeitig fasziniert wie irritiert, erzählte er doch – ohne offensichtlichen Rückgriff auf die Theorie Freuds – die Geschichte einer Genesung von einem Wahn. Konnte es wirklich sein, dass dem Dichter die Schriften Freuds unbekannt waren? – Man entschloss sich, den Autor selbst zu befragen.

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