SprachSpiele und SelbstSorge

Wer selbst ist,
muss die Welt bewegen ...

Bettine von Arnim

Maler, Dichter und Musiker ...
... entdeckten schon früh das Geheimnis der Sprach Spiel (t)Räume und die Heilung mit der Kunst.

Spätestens seit den Märchensammlungen der Brüder Grimm im frühen 19. Jahrhundert wissen wir, dass in den Legenden und Geschichten der Welt die Symbolisierungen der Probleme, aber auch ihre Lösungen verborgen liegen. Insbesondere die Europäische Romantik, die gerade eine Renaissance erfährt, wusste um die Geheimnisse einer klugen und gesunden Identitätsentwicklung und Zwischenmenschlichkeit mit Literatur.

Nicht zufällig sind es die Künstler, die Musiker, Maler und Dichter, die eben jene Grenzen der Sprache ganz selbstverständlich überschreiten, ja deren Kunst gerade darin besteht, im schöpferischen Ausdruck neue Symbolisierungen zu (er)finden und somit die Verständigungsräume der alltagssprachlichen Kommunikation zu erweitern. Schon von Kindheit an haben sie sich häufig besondere präsentative Sprachvermögen erworben.
Im Erschaffen und Erleben von Musik, Malerei, Theater, Tanz und Bewegung, Kunst und Kultur haben sie die Ausdrucksformen ihrer sprachlichen Welten erweitert, im Dialog mit sich selbst und anderen das Unsagbare hinter dem Sagbaren gesucht – “die Leere, das Sagbare” “gegen das Geheimnis, gegen das Lebendige vorangetrieben”(2). Um des Überlebens willen haben sie sich eigene “SprachSpielRäume”(3) gestaltet, ihre Lebensentwürfe und -konflikte für sich selbst und andere schöpferisch neu begreifbar gemacht.

*Bei dem vorliegenden Aufsatz handelt es sich um einen Zusammenschnitt und die Weiterführung wesentlicher Forschungsergebnisse meiner bei Frau Prof. Dr. Ulrike Prokop (Marburg) entstandenen Dissertation: Romantische Inszenierungen in Briefen. Der Lebenstext der Bettine von Arnim geb. Brentano. Berlin: Saint Albin Verlag 2000 (= Berliner Beiträge zur Germanistik, Bd. 1).

(2) Wir müssen lernen, so ein Bild des Schriftstellers Max Frisch, wie ein Bildhauer zu werden: “wenn er den Meißel führt, arbeitet die Sprache, indem sie die Leere, das Sagbare, vorantreibt gegen das Geheimnis, gegen das Lebendige”; Max Frisch: Stich-Worte, ausgesucht von Uwe Johnson. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1975, S. 75.

(3) Mein psychotherapietheoretischer “Zwillingstext” zum vorliegenden Artikel trägt den Titel “SprachSpiel(t)Räume. Zur Wiederentdeckung des Schreibens in therapeutischen Prozessen”. Er rekurriert u.a. auf Wittgensteins Sprachspielbegriff und erweitert die Gedankenführung in Richtung einer präventiven Gesundheits- und Bildungspolitik der Zukunft. Unter Herausgeberschaft von Prof. Dr. Helmut Koch erscheint er im Sammelband zur Ringvorlesung “Schreiben – im Kontext von Schule, Universität, Beruf und Lebensalltag”, die im Wintersemester 2005/06 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster stattfand.

Auszug aus dem Sonderdruck: "Sie hatte immer zu schreiben"
Bettine von Arnims Selbstsorge mit Feder, Tinte und Papier
von Dr. phil. Dipl.-Psych. Angela Thamm

Internationales Jahrbuch der Bettina-von-Arnim-Gesellschaft
Forum für die Erforschung von Romantik und Vormärz
Band 18 - 2006, Herausgegeben von Wolfgang Bunzel und Uwe Lemm
Saint Albin Verlag